Erster Erfolg bei der Nachwuchssuche

Gesangverein Hellershofer Liederkranz bestätigt die Vorsitzende Katja Frank einstimmig in ihrem Amt

Von unserem Korrespondenten Hans Georg Frank

Die Nachwuchssucher des Hellershofer Gesangvereins können einen ersten Erfolg melden. Beim Liederkranz singt künftig ein 20-Jähriger mit, er reiht sich ein in einen Chor, zu dem auch Männer gehören, die viermal älter sind. Mit der guten Nachricht wartete die Eintracht-Vorsitzende Katja Frank bei der Hauptversammlung im Hellershofer Vereinsdomizil auf.

Sie verriet auch, welchem Umstand diese Verjüngung des Traditionsvereins zu verdanken ist. Demnach war Christian von der Jahresfeier derart begeistert, dass er Teil dieses Teams sein möchte. Überhaupt sei diese populäre Doppel-Veranstaltung „rundum gelungen“, lobte die Eintracht-Chefin: „Ich bin richtig stolz auf unseren Männerchor, es ist toll, was wir gemeinsam geleistet haben.“ Sie habe von vielen Seiten nur Anerkennung erfahren. „Das war die beste Jahresfeier aller Zeiten“, bekam sie häufig zu hören.

Katja Frank, Eventmanagerin bei einer international agierenden Top-Firma, hat vor einem Jahr die vakante Führung des Dorfvereins übernommen. In der organisierten Pflege des Liedgutes ist sie vermutlich die einzige Frau, die einem reinen Männerchor vorsteht. Allem Anschein nach haben sich die Herren damit bestens arrangiert, ihre Wiederwahl war reine Formsache und in Sekunden erledigt.

Vorstand 2018
Gruppenbild mit Dame: Das Führungsteam des Hellershofer Männergesangvereins besteht aus Christopher Macchini (2. Vorsitzender), Katja Frank (1. Vorsitzende), Schriftführer Hartmut Schurr und Kassier Günter Wahl (von rechts nach links). Foto: hgf

Keinerlei Probleme bereitete auch der Wechsel bei der musikalischen Leitung des Chores. Seit Oktober 2017 gibt Cosima Hermann (demnächst 22 Jahre jung) den Ton an. „Ich bin mit dieser Zusammenarbeit sehr glücklich“, stellte die Studentin fest, „wir wachsen zu einer tollen Gemeinschaft zusammen.“ Der Chor mache große Fortschritte, trotz der „etwas eingeschränkten Anzahl der Sänger“ – es sind derzeit 19 Aktive – leide das Niveau überhaupt nicht. Natürlich hoffe sie auf „weiteren Zuwachs“ nach dem Vorbild Christians.

Ein schwerer Verlust traf den Verein mit dem Tod von Günter Köngeter. Er starb wenige Tage nach seiner Auszeichnung für fünfzigjährige Sängertätigkeit. Er war nicht nur als zweiter Bass eine Stütze des Chores, als Generalist war er ein zupackender Helfer bei Aufgaben aller Art, wie die Vorsitzende beim Totengedenken dankbar erwähnte.

Kassenwart Günter Wahl berichtete über die gute finanzielle Perspektive der Eintracht. Kassenprüfer Gerhard Lang war „angetan von der exakten Buchhaltung“. Schriftführer Hartmut Schurr hielt für die Nachwelt fest, was der Liederkranz mit seinen 91 Mitgliedern im vergangenen Jahr erlebt hat. Dazu gehörten nicht nur die 39 Singstunden. Beim Ausflug nach Freiburg und Umgebung freundeten sich die Sandländer mit Jodlern aus der Schweiz an, die nun wohl in ihren Bergen im Kanton Luzern besucht werden sollen.

„Es ist ziemlich viel los, es wurde gut gewirtschaftet, die Führung ist einwandfrei gewesen“, fasste Willibald Teply zusammen und beantragte die Entlastung des Vorstands. Sie wurde einstimmig erteilt. Der zweite Vorsitzende Christopher Macchini leitete die turnusmäßigen Wahlen mit amerikanischer Lässigkeit. Die Beisitzer Wolfgang Ziegele, Günter Fürstenau und Monika Weller, Kassenprüfer Walter Herrmann, Schriftführer Hartmut Schurr bekamen vollstes Vertrauen für ihre weiteren Aufgaben.

Gewohnt harmonisch verlief auch die Aussprache über die vom Vorstand für sinnvoll erachtete Erhöhung der Mitgliedbeiträge. Seit der Einführung des Euro anno 2002 liegt der Jahresbeitrag bei zehn Euro. Künftig werden 15 Euro eingezogen. Diese Anhebung sei durchaus angemessen, sagte einer der Sänger unter Beifall, „wegen der hervorragenden Singstunde“.

INFO
Der Liederkranz Hellershof geht auf einen 1899 gegründeten Kirchenchor zurück. Der 120. Geburtstag im nächsten Jahr soll nicht besonders gefeiert werden, war sich der Verein einig. Nach der Pause durch den Zweiten Weltkrieg begann 1953 ein neuer Anlauf. Neben elf Sandländern, ergriffen die Brüder Rudolf und Simon Csipke die Initiative. Sie waren Vertriebene aus Ungarn. „Wir waren herzlich willkommen“, erinnert sich der mittlerweile 85-jährige Simon an diese Form der Integration.

Rund um die Welt mit Sandland-Air

Der Hellershofer Gesangverein begeistert sein Publikum mit der Jahresfeier zweimal in der vollen Kaisersbacher Halle. Das populäre Markenzeichen des Liederkranzes wird weiter perfektioniert.

Von den Kastelruther Spatzen entliehen sich die Macher des Hellershofer Gesangvereins die Motivation für eine fulminante Leistung: „Was man gern macht, macht man gut.“ Was in Südtirol gilt, das hat auch im Sandland seine inspirierende Bedeutung. Sowohl der Männerchor, als auch die Gesangs- und Instrumentalgruppe bewiesen bei der Jahresfeier in Kaisersbach einmal mehr, dass sie mit Spaß an der Sache zu sensationellen Steigerungen fähig sind. Zweimal war die Halle ausverkauft, als musikalisch einmal die Welt umrundet wurde.

„Es wird eine tolle Reise werden“, hatte die Vorsitzende Katja Frank versprochen. Die Vielfliegerin hatte die Idee zum Thema „Weltenbummler“ mitten in New York, vermutlich auf dem Broadway. „Weltenbummler sind offene und gesellige Zeitgenossen, welche nie genug von der Vielfalt dieser Erde bekommen können“, erfuhr das erwartungsvolle Publikum aus berufenem Mund.

Bis ins letzte Detail war diese Traditionsveranstaltung in monatelanger Vorbereitung weiter perfektioniert worden. Einen Abend lang soll die Mühsal des Alltags vergessen sein. Als Eintrittskarte diente ein Boarding Pass für den Flug 2018 mit Sandland-Air. Auf der Bühne stapelten sich Koffer, als gäbe es eine direkte Verbindung zum Gepäckband des Flughafens in Stuttgart. Die Kulisse dominierte ein Sammelsurium berühmtester Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm, Freiheitstatue und Christus von Rio. Bereits im Foyer kam Urlaubsstimmung auf beim Anblick von Sand, Sonnenschirm und Strandliegen, daneben warteten Cocktails und Eisspezialitäten an zwei Bars.

Der Männerchor, begleitet von Bernd Büttner am Piano, sorgte mit acht pfiffig intonierten Liedern für erstes Fernweh. Mal romantisch, mal sehnsüchtig, mal fröhlich, aber immer treffsicher gelang der bisher größte Auftritt unter der noch neuen Dirigentin Cosima Hermann optimal. Mit scheinbar leichter Hand führt die 21-Jährige die kleine Schar der Sänger und lobt sie mit ehrlichem Applaus.

Als „Show mit vielen Überraschungen“ stand im Programm jene zweistündige Revue, die seit mehreren Jahrzehnten das Markenzeichen der „Eintracht“ ist. Mit 28 Titeln im Gepäck jetteten die Sandland-Stars um den „Planet der Lieder“, von Venedig ins Steirerland, von Böhmen zum Sirtaki, von Moskau nach Rio und Hawaii. Die begeisternde Reise ging weit übers Meer, mitten ins Paradies, direkt auf Wolke sieben und ans Ende der Welt. Verstärkung bekam die muntere Truppe von den Zwillingen Carl und Martin, gerade acht Jahre alt geworden, die sich für weitere Aufgaben empfahlen.

Elvis Presley, 

Elvis Presley

dessen deutsche Vorfahren namens Pressler vom Silberhäusle stammen sollen, präsentierte sich brustfrei und hüftschwingend mit einem Medley. Chris Macchini brachte mit einer Hymne auf seine Heimatstadt Chicago erstmals den Swing in die bisher von Schlager und Volksmusik

 geprägte Feier. 

Im Bauch der Mutter soll seine ungeborene Tochter vor Freude gestrampelt haben.

Die Amateure, denen das Playback der Profis fremd ist, überraschten mit einer Performance, die auch dem verwöhnten Stammpublikum höchste Anerkennung abnötigte. „Sie werden immer noch besser“, lautete das übereinstimmende Urteil. Der Erfolg ist beispielhaftem Engagement geschuldet, das idealistischen Einsatz und den Verzicht auf Urlaub verlangt. Für die Fortsetzung im nächsten Jahr sind die ersten Karten bereits bestellt.                                                                       Hans Georg Frank

 

Einsatz vor und hinter den Kulissen
Die Vereinschefin Katja Frank konnte sich wieder auf tatkräftige Unterstützung verlassen. Unter Leitung von Martin Fordinal sorgten Karin und Heribert Schwenger, Werner Rothweiler, Heinz Brückner und erstmals Lukas Dreher am Schlagzeug für die Instrumentalbegleitung. Mit ihren Gesangsbeiträgen glänzten Marina Fordinal, Daniela und Aylin Deiss, Linda Hudelmaier, Monika Weller sowie Günther Frank, Hermann und Hardi Hänle, Chris Macchini, Bernd Weller. Für Service und Technik ließ sich eine halbe Hundertschaft verpflichten, darunter mehrere Großfamilien.

Vertretung dauerte 35 Jahre

Hellershofer Liederkranz dankt Chorleiter Hänle. Günter Köngeter singt seit 50 Jahren mit.

Eigentlich sollte Wolfgang Hänle höchstens fünf Jahre die „Zwergschule“ in Hellershof  leiten, weil die Bürokraten 1969 für sie keine Zukunft sahen. Aus dem Intermezzo wurde eine Langzeitaufgabe, die erst 2007 endete – nach 38 Jahren. Und die Schule gibt es immer noch.

Ehrungen bei Liederkranz Eintracht Hellershof: Die Vorsitzenden Katja Frank und Chris Maccini rahmen Wolfgang Hänle und Günter Köngeter ein, Edeltraud Schurr vom Chorverband Friedrich Silcher würdigte die Verdienste. Foto: hgf

Ähnlich erging es dem in Stuttgart-Feuerbach geborenen Pädagogen als Krankheitsvertretung. Als der Chorleiter des Hellershofer Gesangvereins ausgefallen war, sprang Wolfgang Hänle „ganz unfeierlich“ ein, zumal er glaubte, nach spätestens zwei Jahren sei dieses Zwischenspiel beendet. Es sollten 35 Jahre daraus werden.
Beim traditionellen Familienabend in der Gaststätte am Hagerwaldsee bedankte sich die „Eintracht“ bei Wolfgang Hänle, „der wie kaum ein anderer in unserem Verein aktiv gewirkt hat“, wie die Vorsitzende Katja Frank voller Anerkennung betonte. Als die plötzliche Vakanz auftrat, sei der Verein in den eigenen Reihen fündig geworden.
Hänle verstärkte den Chor zunächst am Klavier, das der Verein gekauft hatte. Dann stellte
er sich zu den Sängern. „Wenn man in ein Dorf kommt, muss man sich einbringen, wo man gebraucht wird“, hatte er sich seinerzeit vorgenommen. Deshalb habe er auch Skigymnastik und Nähkurse gegeben.
„Beachtlich und bewundernswert“ sei seine Leistung, Hänle habe nicht nur die passende Literatur aufgespürt, er habe Begleitorchester zusammengestellt und bei Proben wie Auftritten eine Ruhe ausgestrahlt, „die sich immer auf die Sänger übertragen hat“, lobte Katja Frank. Mit stehendem Applaus dankte die Vereinsfamilie für Vertrauen in den Chor, Begeisterung und Durchhaltevermögen, Leidenschaft für die Musik, Loyalität und Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Kompetenz, Motivation, Optimismus und Zusammenhalt.
„Sie waren für uns ein Glücksfall!“ Hänle ist nur Ehrendirigent und –mitglied, dem Chor bleibt er als Sänger verbunden.
Zur Ehrung war nicht nur Ehefrau Hermine mitgekommen. Auch die die Söhne Hans (46), Hermann (44) und Hardy (42) reisten von weither an. Dieses musikalische Trio verstärkt die „Eintracht“ nach Zeit und Möglichkeit auf geradezu einzigartige Weise.

Als „eine der tragenden Säulen des Vereins“ bezeichnete Edeltraud Schurr vom Chorverband Friedrich Silcher den zweiten Bass Günter Köngeter (77). Er wurde vom Deutschen Chorverband mit Urkunde und Nadel ausgezeichnet, weil er seit einem halben Jahrhundert die Fahne des organisierten Gesangs hochhält.
Damit nicht genug: Köngeter habe auch zahlreiche Sonderaufgaben erledigt, etwa für die Gestaltung der Bühnenbilder, ergänzte Katja Frank, „oftmals auch sehr kurzfristig“. Das handwerkliche Multitalent vom Voggenmühlhöfle ist einer jener Machertypen, die zupacken, ohne lange zu fragen – also unverzichtbar für einen Verein.
Wie lange es den Hellershofer Gesangverein noch gibt, vermag Wolfgang Hänle nicht zu sagen. „Prognosen sind ja schwierig imSandland“, weiß er aus eigener Erfahrung. Mit der neuen Chorleiterin Cosima Hermann gab es eine viel beachtete und bestens gelungene Verjüngung an der Schüsselposition. Vizepräsidentin Edeltraud Schurr war höchst erfreut von ihrer Arbeit: „Souverän!“
Jetzt sollten nur noch ein paar Sänger dazu stoßen, appellierte Katja Frank. Wer Lust auf Gesang in der Gemeinschaft habe, soll es „einfach mal ausprobieren“.
Singstunde ist donnerstags im Hellershofer Schulhaus. Hänle zeigte sich zuversichtlich: „Es
findet sich immer jemand, der mitsingt, auch wenn man ihn nicht auf dem Zettel hat.“
(hgf)

Nächster Auftritt
Größte Herausforderung des Hellershofer Liederkranzes ist alle Jahre wieder die Jahresfeier am Samstag und Sonntag nach Ostern. In der Kaisersbacher Gemeindehalle erwartet das Publikum eine bewährte Mischung aus Chorgesang und playbackfreier Revue der Singgruppe. Die Lieder werden sich am 7. und 8. April um das Thema „Weltenbummler“ drehen.

„Hör in den Klang der Stille“

Adventskonzert des Hellershofer Gesangvereins füllt die evangelische Kirche

Von unserem Korrespondenten Hans Georg Frank

Das Lied „Macht hoch die Tür“ stimmten Männerchor und Publikum gemeinsam an.

Am Ende war auch Cosima Hermann rundum zufrieden. Und spürbar erleichtert. „Es ist gut gelaufen“, stellte sie bei ihrer Premiere als Chorleiterin des Hellershofer Gesangvereins fest. Der Liederkranz hatte zu einem Adventskonzert in die evangelische Kirche eingeladen. Damit verbunden war der erste große Auftritt der 20-Jährigen, die bis zu viermal ältere Sänger mit leichter Hand führte. Das Publikum hatte die Studentin aus Schorndorf gleich zu Beginn mit wohlwollendem Applaus im Sandland begrüßt.

„Advent in den verschiedenen Zeitepochen der Welt“, hatte die Vorsitzende Katja Frank den erwartungsvollen Zuhörern versprochen. Also reichte das Programm vom Südtiroler Liedgut über österreichische Volksweisen bis zum schwedischen Weihnachtsgruß aus dem Jahr 1860 – letzteren teilweise in der Sprache von IKEA und Knäckebrot intoniert: „Jul, jul, strålande jul, glans över vita skogar.“ Mit „Seht, es kommt die heil’ge Zeit“ gab es auch einen musikalischen Abstecher nach Böhmen.

Die Singgruppe beim Adventskonzert

Der „Eintracht“-Männerchor erwies sich in dem 1924/25 erbauten Gotteshaus als stimmgewaltiger Klangkörper. Er wechselte sich ab mit der gemischten Singgruppe unter Leitung von Martin Fordinal, die sonst ein Erfolgsgarant der Jahresfeier am Wochenende nach Ostern ist. Beim Adventskonzert konnte sie, von Instrumentalisten begleitet, sehr überzeugend vorführen, dass sie nicht nur poppige Schlager zu interpretieren weiß.

Mit dem Hausherrn hatte der Liederkranz auch einen fachkundigen Moderator gefunden. Pfarrer Eberhard Bauer stellte einige der 13 Lieder mit verbindlichen Worten und informativen Details vor. „Es kommt ein Schiff geladen“, vor rund 600 Jahren entstanden, sei wohl „einer der größten Hits aller Zeiten“. Das Publikum erfuhr aus berufenem Mund, dass die Nummer 1 des Evangelischen Gesangbuchs, „Macht hoch die Tür“, dem Königsberger Pfarrer Georg Weissel zu verdanken sei. Dieser habe es 1623 gedichtet zur Einweihung seiner Altroßgärter Kirche, wobei er sich von Psalm 24 habe inspirieren lassen.

Pfarrer Bauer freute sich mit dem Veranstalter, „dass sich so viele auf den Weg gemacht haben“. Für den Seelsorger wurde mit dem besinnlichen Konzert des Liederkranzes „ein Stück des Zusammenhalts“ im Schwäbischen Wald deutlich. Lächelnd merkte er noch an, dass er sehr froh sein könnte, „wenn jeder sonntägliche Gottesdienst so gut besucht wäre“.

Das Motto des besinnlichen Abends hätte einem modernen Adventslied entliehen sein können: „Hör in den Klang der Stille“, heißt es im Werk des zeitgenössischen Komponisten und Texters Lorenz Maierhofer (Jahrgang 1956) aus Graz in der Steiermark. Denn: „Sorgen flieh’n davon“.

Für die Zugabe gingen Männerchor und Singgruppe wieder beinahe zwei Jahrhunderte zurück. Der „Andachtsjodler“ hat erstmals 1830 die Christmette in Sterzing (Südtirol) stimmungsvoll bereichert – in Hellershof entfalte das Traditionsstück dieselbe Wirkung.

Studentin löst Schulleiter ab

Erst eine Vorsitzende, jetzt eine Chorleiterin: Beim Hellershofer Gesangverein geben
Frauen den Ton an

Von unserem Korrespondenten Hans Georg Frank

Der Männergesangverein in Hellershof wird immer weiblicher. Nach der Wahl von Katja  Frank zur Vorsitzenden, hat der Liederkranz mit Cosima Hermann erstmals in seiner 118-jährigen Geschichte eine Frau als Chorleiterin verpflichtet.

Wolfgang Hänle und Cosima Hermann

Nach den ersten sechs Singstunden finden beiden Seiten nur lobende Worte füreinander. Die große Bewährungsprobe steht am kommenden Sonntag beim Adventskonzert in der Kirche bevor.
Seit 1982 hatte Wolfgang Hänle die Sänger der „Eintracht“ dirigiert und als feste Größe im Kulturleben des Schwäbischen Waldes etabliert. Am 1. Oktober, beim Erntedankfest, stand der pensionierte Lehrer letztmals vor seinen Männern. Mit nunmehr 75 Jahren wollte der Ex-Schulleiter die verantwortungsvolle Aufgabe an eine jüngere Kraft übergeben.
Für die Nachfolge suchte der Traditionsverein geeignete Bewerber in zwei Fachzeitschriften. Obwohl Hellershof nicht ganz der Nabel der Welt ist, bewerben sich fünf Kandidaten, die auch zum Probedirigat anreisten. Ein sechster Interessent konnte sich die Fahrt ins Sandland sparen: Der US-Amerikaner aus Memphis musste nicht wegen mangelnder Qualifikation abgelehnt werden – er hätte sich nur auf Englisch verständigen können; Amtssprache beim heimatverbundenen Liederkranz ist eher Schwäbisch.
Nach Probeläufen und gegenseitigem Beschnuppern waren sich die Akteure sicher, mit der jüngsten Anwärterin die richtige Wahl getroffen zu haben. Cosima Hermann (20) aus Schorndorf ist quasi erblich vorbelastet, leitet doch ihre Mutter Gabriele mit großem
Erfolg die Gesangvereine in Waldhausen und Grunbach.
„Sie hat sich gefreut, dass ich jetzt auch in diesem Bereich mitmische.“
Cosima Hermann studiert zwar in Tübingen Jura, ihr aktueller Traumberuf ist Richterin. Aber sie kann schon auf eine erstaunliche Karriere als Musikerin zurückblicken. Sie gehörte vier Jahre lang als Geigerin dem Bundesjugendorchester an, einer Auswahl der besten hundert Nachwuchsmusiker zwischen 14 und 19 Jahren aus der ganzen Republik. Mit dem Elite-Ensemble gastierte sie auch in Shanghai und Peking. Für den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck gehörte Cosima Hermann zu den „Botschaftern eines Deutschlands, wie wir es gerne hätten“.
Vorher China, nun also Schwäbischer Wald. „Es macht mir Spaß“, sagt die junge Chorleiterin, die früher selber gesungen hat. Natürlich will sie ihre Kasse für das Studium im 95 Kilometer entfernten Tübingen ein bisschen aufbessern, aber sie hat sich vor allem vorgenommen, die „Eintracht“ zu neuen Höhen zu führen. „Die Sänger sind auf einem guten Niveau, Herr Hänle hat gute Vorarbeit geleistet“, sagte sie anerkennend. Aber an der Technik könne noch etwas gefeilt werden, die Intonation lasse sich verbessern, alles soll noch einen Tick genauer klingen.
Die rund 20 Mannsbilder folgen der Anführerin ohne Murren. „Sie sind sehr diszipliniert und hören auf mich“, stellt sie erfreut fest. „Sie ist sehr musikalisch“, lobt Vorgänger Hänle, der jetzt mit seinem Tenor die Sänger verstärkt. Die Herren haben wohl zu ihrem eigenen
Erstaunen festgestellt, dass die Singstunde kurzweiliger geraten ist. Sie merken gar nicht mehr, wie schnell am Donnerstagabend die Zeit vergeht. Die Vereinsleitung hofft, dass dank der sympathischen Studentin der Chorgesang auch für jüngere Männer attraktiv sein
könnte.
Eine weitere Stufe der Feminisierung werde es allerdings nicht geben, versicherte die 1. Vorsitzende Katja Frank. Gemeint ist damit ein gemischter Chor: „Wir haben ja schon eine gut funktionierende Singgruppe mit engagierten Frauen.“ (hgf)

INFO

Das Adventskonzert der Eintracht findet am kommenden Sonntag in der Hellershofer Kirche statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Neben dem Männerchor wirken die Singgruppe und Instrumentalmusiker mit. Auf dem Programm stehen neun Lieder, mit denen Cosima Hermann das Publikum besinnlich auf Weihnachten einstimmen möchte. Der Eintritt ist frei, eine Spende für die Vereinskasse ist willkommen.

Das Konzert am 1. Advent hat seinen Ursprung in einer „kirchenmusikalischen Feierstunde“, die erstmals 1989 organisiert worden ist.

Eine Frau lenkt den Männerverein

Neuer Vorstand beim Hellershofer Liederkranz – Managerin mit Bühnenerfahrung übernimmt die Führung

Sensation im Sandland: Erstmals führt eine Frau einen Männergesangverein. Ihr Stellvertreter ist ein Amerikaner aus Chicago. Sie wollen dem Traditionsclub eine  neue Perspektive geben.

Hellershof. Wolfgang Hänle ist als erfahrener Pädagoge mit allerlei Problemen vertraut. „Jetzt wird es schwierig“, prophezeite der frühere Schulleiter in seiner Eigenschaft als Wahlleiter bei der Hauptversammlung des Liederkranzes Eintracht Hellershof. Der Kassier Günter Wahl war gerade in seinem Amt bestätigt worden, einfaches Zeichen per Hand hatte genügt. Aber nun musste eine neue Führungsmannschaft gefunden werden. Tobias Hermann hatte aus persönlichen Gründen seinen Rückzug angekündigt. Der 36-jährige Gschwender war 2009 zum zweiten Vorsitzenden bestimmt worden. Seit einem Jahr stand er allein am Ruder des Vereinsschiffs. „Kommissarisch“ gab er gleichsam den Kurs vor. Günther Frank aus Hundsberg war nach über 40 Jahren als höchster Funktionär der Eintracht quasi in den Ruhestand gegangen. Heute ist er Ehrenvorsitzender der „Eintracht“

Für den eingetragenen Verein ging es an diesem Abend um nichts weniger als die Zukunft. Würde sich kein Vorstand finden, müsste erneut eine Versammlung einberufen werden. Bliebe auch dieser Versuch erfolglos, drohte von Gerichts wegen so etwas wie ein Insolvenzverwalter. Fände dieser niemand, der die Verantwortung übernehmen wollte, müsste die Existenz der gemeinnützigen „Eintracht“ beendet werden.

Doch so weit wird es nicht kommen. Wahlleiter Hänle fragte die anwesenden Mitglieder, wer als zweiter Vorsitzender kandidieren möchte. Und siehe da, mit geziemender Überlegungssekunde ging eine Hand hoch – von Christopher „Chris“ Macchini (33). Der US-Amerikaner aus Chicago hatte der Liebe wegen ins beschauliche Sandland gefunden, war vom Vater seiner Freundin in die Singstunde mitgenommen worden – und fand sofort Gefallen daran. Seine Wahl war reine Formsache.

Zum absoluten Novum dagegen geriet die Wahl der „Nummer 1“. Auf Hänles Aufforderung meldete sich – eine Frau. Katja Frank (33) erklärte sich bereit, die Vakanz zu beenden und fortan in einem Männergesangverein den Ton anzugeben. Bei einer Enthaltung sprachen ihr die Mitglieder offen das Vertrauen aus. „Das haben wir inständig gehofft“, kommentierte der Wahlleiter die Entscheidung und gelobte im Namen aller, „dass wir unser Bestes geben“. Katja Frank, Managerin bei einer Eventagentur in Künzelsau, die zu den Top 10 in Deutschland gehört, bringe „hervorragende Voraussetzungen“ mit für ihre ehrenamtliche Aufgabe, gab sich Hänle überzeugt.

Im Chorverband Friedrich Silcher mit seinen 97 unterschiedlich aufgestellten Mitgliedsvereinen gibt es zwar 38 Frauen in einer solchen Spitzenposition. Aber keiner der 17 reinen Männerchöre ist sozusagen in weiblicher Hand.

Ehrung
Letzte Amtshandlung: Mit einem Geschenkkorb bedankte sich der stellvertretende Vorsitzende Tobias Hermann bei Hans Kugler, der über 30 Jahre lang die Vereinskasse prüfte.

„Ich bin gottfroh, dass wir wieder vollständig sind“, gab sich Tobias Herman erleichtert. Seinen Abschied verband er mit einem Geschenk für Hans Kugler aus Hüttenbühl. Der 80-Jährige hatte über 30 Jahre lang die Kasse geprüft, dafür gebührten ihm Dank und die Ernennung zum Ehrenmitglied. Seine Nachfolge übernimmt Gerhard Lang aus

Kaisersbach.

„Es kann nicht sein, dass ein so erfolgreicher Verein aufgelöst wird“, begründete Katja Frank ihre Kandidatur. Sie sei mit dem Verein aufgewachsen, sei von ihrem Vater, dem heutigen Ehrenvorsitzenden, nachhaltig geprägt worden. Schon von Kindesbeinen an habe sie erlebt, mit welchem Pensum an Arbeit und Engagement der Vorsitz verbunden sei, „aber das schreckt mich nicht ab“. Ihr gehe es auch um die Zukunft der populären Jahresfeiern. Bei diesen habe sie erstmals 1992 auf der Bühne gestanden. Die Sechsjährige entzückte damals das Publikum mit „A Stückerl heile Welt“. Seither ist die dynamische Frau eine der Stützen der gemischten Singgruppe, die keine eigenständige Abteilung des Vereins ist, aber ein Garant für den Erfolg.

Wie das Gespann Frank und Macchini den Liederkranz ausrichten wollen, bleibt noch ein Geheimnis.  Dass die beiden bestens miteinander geschirren können, haben sie schon

Vorstand
Das neue „Dream Team“ des Hellershofer Liederkranzes: Katja Frank und Christopher Macchini wollen die Existenz des Vereins gemeinsam sichern.

mehrfach bei der Jahresfeier bewiesen. Ein Wahlversprechen gab es nicht. Der Verein soll noch besser in den drei Sandland-Gemeinden verankert werden, Familien und Kinder könnten einbezogen werden, hieß es vage.

Zunächst aber muss das Vorstandsduo einen neuen Chorleiter finden. Wenn Wolfgang Hänle im Herbst 75 Jahre alt wird, will er aufhören. Vor 35 Jahren ließ er sich auf das Abenteuer ein: „Es war eine schöne Zeit, manchmal auch stressig, aber jetzt ist es genug.“

INFO:
Der Liederkranz Eintracht Hellershof ging aus einem 1899 gegründeten Kirchenchor hervor. Heute gehören ihm 92 Mitglieder an, davon sind 19 Männer aktive Sänger. Für ihre Verdienste wurden sechs Funktionäre zu Ehrenmitgliedern ernannt, zählte Schriftführer Hartmut Schurr bei der Hauptversammlung auf. Zu den Singstunden trifft sich der Chor im Schulhaus von Hellershof, wo die frühere Lehrerwohnung größtenteils in Eigenleistung in das Vereinsdomizil umgewandelt worden ist.

Sandländer schätzen Schlager

Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins mit Ohrwürmern von damals und heute

Von unserem Korrespondenten Hans-Georg Frank

Kaisersbach. Vor ihrem ersten Besuch war Tanja Worthmann aus Murrhardt in den höchsten Tönen vorgeschwärmt worden, dass die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Was ihr die „Eintracht“ dann in der zweimal ausverkauften Kaisersbacher Gemeindehalle bot, hat ihre hohen Erwartungen mehr als erfüllt. „Sehr schön, super, kurzweilig, professionell, sehr gelungen“, fasste sie ihre Eindrücke zusammen. Nächstes Jahr wolle sie wiederkommen. Karten ließen sich auch etliche Stammgäste von Gaildorf über Gschwend nach Gmünd bereits für eine der beiden Vorstellungen am Wochenende nach Ostern 2018 reservieren.

Der Männerchor

Der Liederkranz wurde zwar 1899 gegründet und ist damit ziemlich in die Jahre gekommen. Aber der rührige Sandland-Verein beweist mit seiner ambitionierten Leistungsschau immer wieder, dass er Schritt hält mit einer Zeit, in der viele solcher Clubs auf der roten Liste der bedrohten Kulturformen stehen. Chorleiter Wolfgang Hänle hat seine nicht einmal zwei Dutzend Sänger erneut zu erstaunlicher Form getrimmt. Sie intonierten Gassenhauer aus der beschwingten Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als Wochenend‘ und Sonnenschein – „und mit dir im (Welzheimer) Wald allein“ – noch zum Glück genügten.

Hardi Hänle

„Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, wir haben gelernt und gebüffelt“, verriet Günther Frank, der als Ehrenvorsitzender das Publikum persönlich begrüßte. Die wochenlange Anstrengung galt vor allem jener populären Show, die zum Markenzeichen der „Eintracht“ geworden ist. Ein eingespieltes Team sucht unterhaltsame Lieder zu einem Thema und bringt sie mit Leidenschaft und Freude selber auf die Bühne, als stünden auf diesen Brettern gar keine Amateure. „Unser Herz schlägt Schlager“, lautete das Motto diesmal. Schon in der Lobby ließen sich die Fans mit passender Dekoration einstimmen. Die Garderobe war umzingelt von Schallplatten, Grammophon und Musikinstrumenten. An einer Candy-Bar gab es leckere „Schlagertaler“ aus Mürbteig, dazu jene klebrige Süßigkeit aus Nichts und Schokolade, die jetzt keinen rassistischen Bezug mehr haben darf.

„Heute ist ein Schlagertag“, versprach das erfahrene Ensemble ein akustisches und optisches Vergnügen. Fast zwei Stunden lang ging es kreuz und quer durch die Hitparaden der letzten Jahrzehnte, mit viel Sonne und noch mehr Herz, mit einer Brücke ins Glück und Biene Maja. Evergreens wie „Zwei kleine Italiener“ und „Rote Lippen soll man küssen“ wurden da bejubelt, ebenso aktuellere Ohrwürmer wie „Warum hast du nicht nein gesagt“ oder das „Salz auf uns’rer Haut“ der Seebären von Santiano. Dem unvergessenen Roy Black wurde ebenso ein Medley gewidmet wie dem einstigen Frauenschwarm-Trio „Flippers“.

25 gänzlich unterschiedliche Nummern, mal wehmütig, mal witzig bis wild, hatten die Sandland-Stars in ihrer Freizeit einstudiert und mit allerlei Überraschungen angereichert. „Schlager ist geil“, behaupteten sie und trafen damit den Nerv eines Publikums, dem ein paar Stunden ohne Terrornachrichten und Sorgen ums Sparbuch vergönnt waren. Natürlich durfte der fast echte Andreas Gabalier nicht fehlen. Mit Rosen bewaffnete Verehrerinnen, die forsch auf die Bühne stürmen, musste er sich allerdings mit konkurrierenden Charmeuren teilen.

 

Akteure und Helfer

Der Männerchor unter Leitung von Wolfgang Hänle begleiteten dessen Söhne Hermann und Hardi mit Trompete und Posaune sowie Bernd Büttner auf dem Clavinova. Zum „Eintracht“-Orchester von Chefarrangeur Martin Fordinal gehörten Heinz Brückner, Markus Martin, Werner Rothweiler, Karin und Heribert Schwenger. Die Showtruppe besteht aus Aylin und Daniela Deiss, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Anni Hirzel, Linda Hudelmaier, Chris Macchini, Günter Wahl, Bernd Weller, Monika Weller. In Küche, Service und Technik sorgten jeweils über 50 fleißige Helfer für einen reibungslosen Ablauf.

Für Fan erfüllt sich ein Herzenswunsch

Hellershofer Gesangverein würdigt bei seiner Jahresfeier-Revue die Heimatliebe

Für Überraschungen ist die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins auch nach über vier Jahrzehnten gut. Das Publikum lässt sich so begeistern, dass sich viele Fans beim Applaus nicht mehr auf den Stühlen halten können.

Von unserem Korrespondenten Hans-Georg Frank

Kaisersbach. Der 2. April 2016 geht in die Geschichte des 1899 gegründeten Hellershofer Gesangvereins ein. Erstmals Jahresfeier Hellershof 2016 Debütbelohnte das Publikum die Leistungen der bestens disponierten Singgruppe bei der Jahresfeier mit Standing Ovations. Die Zuschauer und Zuhörer waren von den Leistungen auf der Bühne in der Kaisersbacher Gemeindehalle derart begeistert, dass es etliche förmlich von den Stühlen riss. Mit reichlich Applaus bedankten sie sich für einen wundervollen Abend – und erzwangen zwei Zugaben. Die Akteure waren sichtlich gerührt, hatte es eine solche Anerkennung doch noch nicht gegeben, obwohl die etwas andere Leistungsschau des Gesangs bereits seit 1973 geboten wird. Allerdings wissen die Sandländer Unterhaltungskünstler durchaus um ihre Qualitäten, muss doch ihre Show wegen des großes Interesses seit langem an zwei Abenden veranstaltet werden, weil die Nachfrage nach Karten so groß aus. Auch diesmal war wieder „volles Haus“.
Eine besondere Form der Wertschätzung pflegt Linda Hudelmaier aus Alfdorf. Sie gehört se

Jahresfeier Hellershof 2016 Hardi Hänle
Hardi Hänle

it gut 20 Jahren zu den treuesten Stammgästen. Immer wieder träumte sie sich auf die Bühne, wünschte sich kaum etwas sehnlicher, als einmal mit den so professionell wirkenden Amateuren mitzusingen. Nun fasste sie sich ein Herz und rief einfach Martin Fordinal an, den musikalischen Leiter. Zwar singt sie seit ihrer Konfirmation im örtlichen Kirchenchor, aber im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines verwöhnten Publikums stand sie noch nie. Vorsitzender Günther Frank, der mit seiner Tochter Katja die Show maßgeblich konzipiert, erkannte den Unterhaltungs- und Werbewert des Ansinnens der Alfdorferin (Jahrgang 1948). Geschickt wurde die Wunscherfüllung ins Programm eingebaut. Nur Lindas Ehemann wusste einigermaßen Bescheid, die beiden ahnungslosen Töchter kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie seien „stolz und sprachlos“, sagten sie über Mutters Courage.
Linda Hudelmaier fand gleichsam eine neue musikalische Heimat, womit sich ihr Debüt bestens einfügte in das Thema des Abends: „Heimatliebe.“ In einer Zeit, da Flüchtlinge wegen eines Krieges oder politischer Verfolgung ihr Land verlassen müssen, sollte der Wert der Heimat besonders betont werden. Mit einer Feststellung des weltgewandten Superstars Herbert Grönemeyer überschrieben die Hellershofer Macher ihr Programm: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Der Männerchor der „Eintracht“, geleitet von Wolfgang Hänle, stimmte mit seinem eher traditionellen Beitrag auf die Wertschätzung der Herkunft und des Zusammenlebens ein. Die 18 Sänger, teilweise instrumental begleitet, verblüfften mit ihrer Ausdrucksstärke, mit der sie unter Beweis stellten, dass Qualität entscheidend ist, nicht Quantität. Für Überraschung sorgte die eigens für Gesangvereine arrangierte Schnulze „Zwei kleine Italiener“ von 1962, die das Heimweh der „Gastarbeiter“ aufgriff.
Jahresfeier Hellershof 2016 Hermann Hänle Katja FrankMehrfach zeigte sich, dass der Liederkranz gerade mit seiner Jahresfeier die Klammer zur Heimat ist. Hermann Hänle (Jahrgang 1973) kehrt als Marketing-Manager aus Stuttgart gerne ins Sandland zurück, bewährt sich mit Cello und Posaune ebenso wie als charmanter Duettpartner. Sein Bruder Hardi (Jahrgang 1975) ist im 255 Kilometer entfernten Freiburg zwar ein unverzichtbarer Bespaßer der Studentenschaft, aber sein Herz hängt so sehr an der Heimat, dass er mal eben eine Hymne gedichtet hat: „Meim gliabta Ländle, dem halt i a Ständle.“ Dabei dürfen natürlich Schätze wie „dr Hefazopf von dr Becka-Hilde“ nicht fehlen.
Heimatliebe in vielfältigster Ausprägung packte die Gesangs- und Instrumentalgruppe in ihre zweistündige Revue der Superlative. Dabei ging es größtenteils sehr fröhlich, flott und frisch zu, doch es klangen auch nachdenkliche Töne an, wenn gleichsam gebetet wird: „Lieber Gott, zeig den Menschen den Weg.“ Auch die „Heimat im Glauben“ der Kastelruther Spatzen mahnte zu mehr Wertschätzung: „Für jede Stunde hier auf Erden, Herr, dank ich dir.“ Viel gefühlvoller als das
Original gelang Bernd Weller und Aylin Deiss „Deine Heimat will ich Jahresfeier Hellershof 2016 Aylin Deiss 2sein“. Die 16-jährige Schülerin aus Schorndorf war sowieso der Liebling des Abends. Vor elf Jahren wagte sie sich das erste Mal auf jene Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Mit Talent und Ehrgeiz hat sie sich zu einer erstklassigen Sängerin entwickelt. Dass sie dabei die Bodenhaftung nicht verliert, führte sie mit ihrem frenetisch gefeierten „I bin a Dorfkind“ vor Augen und Ohren.
Fasziniert stellen Stammgäste fest, mit welchem Engagement sich das Drei-Generationen-Team in ihrer selbst geschaffenen Wohlfühl-Atmosphäre immer wieder zu Höchstleistungen anspornen, somit weit entfernt sind von einer Kopie ihrer selbst. Dazu passt die akustische und optische Verstärkung, die Martin Fordinal zu verdanken ist. Er erkannte die stimmlichen Fähigkeiten seiner Schwiegertochter Marina und gewann sie als Sängerin. Der Einstand der pharmazeutisch-technischen Assistentin (Jahrgang 1985) hätte besser nicht gelingen können. Harmonisch fügte sie sich in ein Ensemble, das auch über Naturtalente Jahresfeier Hellershof 2016 Premiere Linda H mit Günter Wahlwie Günter „Wahlo“ Wahl verfügt, der als spaßige Version von Andreas Gabalier fast schon zum Inventar zählt. Und es ist schon arg rührend, wenn ein Amerikaner wie Chris Macchini in echten Lederhosen in den höchsten Tönen das Edelweiß preist.

 

 

INFO

Die Akteure und ihre Helfer

Jahresfeier Hellershof 2016 Männerchor
Der Männerchor des Liederkranz Eintracht Hellershof

Den Männerchor begleiteten Saskia Daiß (Oboe), Bernd Büttner (Klavier) und Hermann Hänle (Trompete, Cello), Dirigent ist Wolfgang Hänle. Zum Hausorchester unter der Leitung von Martin Fordinal gehörten Heins Brückner, Markus Martin, Werner Rothweiler, Heribert und Karin Schwenger. Die Gesangsgruppe bildeten Aylin und Daniela Deiss, Marina Fordinal, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Anni Hirzel, Chris Macchini, Günter Wahl, Bernd Weller, Monika Weller. In Küche, Service und Technik sorgten mehr als 50 Helfer für einen reibungslosen Ablauf.

Weihnachtskonzert des Liederkranz „Eintracht“ Hellershof

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Hänle

Schon knapp eine Stunde vor Konzertbeginn fanden sich die ersten Besucher in der heimeligen Hellershofer Dorfkirche ein, die beim Weihnachtskonzert des Hellershofer Liederkranzes wieder bis auf den letzten Platz gefüllt war.

„Machet die Tore weit“ ist die berühmte sechsstimmige Adventsmotette von Andreas Hammerschmidt (1611-1675).
Daran angelehnt schuf Willy Trapp einen wuchtigen Männerchorsatz, den der Liederkranz, begleitet von Orgel und Instrumentalensemble zu Beginn vortrug.
Das Thema des sich Öffnens für das Kommen des Erlösers, des sich Bereitmachens klingt auch an im schlichten „Seht es kommt die heilige Zeit“. In der Jugendbewegung griff man gerne auf alte Melodien und Themen des Weihnachtsfestes zurück – so auch auf das Thema der Verkündigung der Geburt Christi in dem Lied „Maria war alleine“ zu einer Melodie von 1602, schön, schlicht und dennoch ausdrucksvoll von Bernd Weller vorgetragen.

Auch das „Ave Maria“ passt in diesen Zusammenhang. Der dem flämischen Komponisten Jacob Arcadelt (1504 -1568) zugeschriebene, fast etwas romantisch anmutende A-capella-Chorsatz gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts.

„Mettenjodler“ aus Südtirol geboten

Die aus dem zweiten Teil der Jahresfeiern des Chores bekannte und von Martin Fordinal geleitete und begleitete Singgruppe gestaltete den adventlichen Teil mit dem anrührenden „Mettenjodler“ aus Südtirol und dem schlichten „Sing ma im Advent“, beides im wirkungsvollen Arrangement von Lorenz Maierhofer. Der erste Teil des Konzerts endete mit dem gemeinsamen Lied „Tochter Zion“.
Zu den von der Jugendbewegung wiederentdeckten Liedern gehört auch „Es kommt ein Schiff geladen“, eines der ältesten Weihnachtslieder. Zusammen mit zwei Liedern aus Ungarn (Es kam ein Engel) und Frankreich (Gloria in excelsis Deo) über Engel und Hirten auf den Fluren Bethlehems wurde es von den Männern der „Eintracht“ schön gestaltet vorgetragen, ergänzt durch eine Hirtenweise der Instrumentalgruppe.

Eines der aus Amerika stammenden Weihnachtslieder, das sich im Gegensatz zu „Jingle Bells“ und „Santa Claus“ wirklich mit der Weihnachtsgeschichte befasst, ist „O Little Town of Bethlehem“, das auf Deutsch auch im Evangelischen Gesangbuch (Nr.55) zu finden ist. Bekannt wurde es auch durch die Interpretationen von Elvis Presley, Ella Fitzgerald, Bob Dylan und anderer Künstler der Pop-Branche. Der aus Chicago stammenden Sandländer Sänger Chris Macchini trug es vor – natürlich sehr sauber und in tadellosem Englisch.

Die Melodie des folgenden Liedes „Hark the Herald Angels sing“ stammt von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Text ist, wie Pfarrer Bauer erläuterte, von Charles Wesley, einem der Begründer der methodistischen Bewegung, aus der die Methodistische Kirche hervorging.
„Als die Welt verloren“ aus Polen und das bekannte aus dem alten Österreich (Salzburg und Grafschaft Glatz) stammende Lied „Der Heiland ist geboren“ wurden zusammen mit den Instrumenten vorgetragen, die danach noch eine fröhliche weihnachtliche Weise spielten.

Die Gesangsgruppe fasste die im Konzert angesprochenen Gedanken und Stimmungen zusammen mit „Wieder naht der heil’ge Stern“ von Lorenz Maierhofer. Es folgte vom selben Komponisten das feine „Still zünden wir ein Licht nun an“. Während des Vortrags trugen Ben und Paula, zwei fünfjährige Kindergartenkinder, andächtig und konzentriert eine brennende Kerze nach vorne.

„Zu Bethlehem überm Stall“ erinnert in seiner volkstümlichen und abwechslungsreichen Gestaltung an die italienischen Hirten, die in der Barockzeit in den Städten zu Weihnachten ihre Pastoralen vortrugen.

Nach lang anhaltendem herzlichen Beifall erklang von Singgruppe und Männerchor gemeinsam die traditionelle Zugabe, die „Weihnachtsglocken“, bevor Sänger und  Besucher bei einem Gläschen Glühwein auf dem Kirchplatz den Abend nach- und ausklingen ließen und bereichert nach Hause gingen.

Das Einmaleins fürs Glücklichsein

Liederkranz Hellershof setzt bei seiner Frühjahresfeier neue Akzente – Zweimal volles Haus

Nie zuvor waren die Karten für die Frühjahrsfeier des Hellershofer Gesangvereins so begehrt wie dieses Mal. Was in Kaisersbach geboten wurde, hatte die große Resonanz tatsächlich verdient.

Jahresfeier 2015
Männerchor bei der Jahresfeier 2015

„Super wie immer“ lobte Hermann Witzig die Leistung des Männerchores, der traditionell den ersten Teil des Programms gestaltete. Witzig ist ein Mann vom Fach, er führte zwölf Jahre lang jenen Kaisersbacher Gesangverein, der jüngst nach 131 Jahren mangels Mitstreitern aufgelöst werden musste. „Es ist erstaunlich, was die Hellershofer zustande bringen“, musste er anerkennen. Chorleiter Wolfgang Hänle hatte aus dem gut 250 Titel umfassenden Repertoire der 21 Sänger neun Lieder ausgesucht, mit denen „verschiedene Bereich des menschlichen Lebens gestreift werden“ – Liebe und Leid, Genuss, Abschied, mal ernst, mal heiter, schmissig ebenso wie getragen, auf Deutsch, Italienisch und Französisch, von Mozarts „Ständchen“ bis zu Israels Siegertitel des Eurovision Song Contests von 1979, „Halleluja, sing ein Lied“.

Die „Eintracht“ führte vor, welch breites Spektrum konventioneller Chorgesang heutzutage haben kann. Auch mit der Leistung seiner engagierten Akteure war der pensionierte Lehrer Hänle durchaus zufrieden: „Besser als gut.“

Mit „Sandländer Fernsehgarten“ waren die beiden Vorstellungen in der Kaiersbacher Gemeindehalle überschrieben. Damit konnte eine eigene Version der beliebten Sonntagssendung des ZDF entwickelt werden. „Bunt wie ein Garten ist unser Programm, es soll Balsam für die Seele sein“, sagte Vorsitzender Günther Frank. Zusammen mit seiner Tochter Katja hatte er in bewährter Weise die stets mit großer Spannung erwartete volkstümliche Show arrangiert. 23 Punkte standen auf dem prallvollen Ablaufplan. Schon der fetzige Einzug ließ erahnen, wie schwungvoll die über anderthalb Stunden dauernde Revue ausfallen würden. Von Schlager über Volksmusik und Musical bis zum Rock ging der vergnügliche Spaziergang querbeet durch die Genres der Unterhaltung, inklusive Abstecher ins Komödiantische wie der schwäbischen Frauenpower „Mir roichts, das i woiss, i kennt, wenn i wollt.“ Auch eine Hommage an den verstorbenen Udo Jürgens, gefeiert als „einer der größten Künstler unserer Zeit“, durfte nicht fehlen.

Ensemble 2015
Jahresfeier 2015: Ensemble

Mit seinem Markenzeichen kopiert sich der Verein nicht selber, immer wieder aufs Neue werden erstaunliche Akzente gesetzt. Das war auch an der Kulisse abzulesen. Geriet das Bühnenbild bislang meist musikantenstadlartig, dominierte jetzt dekorative High-Tech mit Lichtkegeln in wechselnden Farben vor dem großformatigen Foto eines Mustergartens. Die Sandland-Stars liefen hier zur Bestform auf, selbst der Kleiderwechsel – häufiger als bei Helene Fischer – gehorchte professionellen Maßstäben.

Das Publikum ließ sich verzaubern bei diesem Ausflug in die sorgenlose Welt, wo die „Heimat im Herzen“ getragen wird und mit dem „Einmaleins vom Glücklichsein“ gerechnet wird, wie einzelne Titel als Lebensmotto empfahlen. Besonders beeindruckte Aylin Deiss, ein 15-jähriges Talent, das sich vor zehn Jahren erstmals auf die Bühne wagte. Ihre Gesangsausbildung kann als Grundstock für eine vielversprechende Karriere angesehen werden, auch wenn sie sich vielleicht doch lieber für den Fußball entscheiden sollte.

Koch Hardi Hänle 2015
Koch Hardi Hänle 2015

Für die Heiterkeit war vor allem Hardi Hänle zuständig. Bei seinem Kochkurs – es gab Grießschnitten – hätte selbst Johann Lafer noch etwas lernen können. Im wirklichen Leben hat es Hänle in fünf Jahren mit seiner Kultsendung „Heißer Herd“ im Freiburger Studentenradio „Echo FM“ zu einiger Berühmtheit gebracht.

Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller erlebte einen mehr als amüsanten Abend: „Ich bin immer wieder fasziniert und überrascht, wie eine relativ kleine Truppe so etwas Professionelles auf die Beine stellen kann – und alles live gesungen, das ist wirklich fantastisch.“ Wer keine der jeweils 366 Karten ergattert habe, „hat etwas verpasst“. Zu den Stammgästen zählen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Unterrot, der diesmal mit mehr als 40 Fans angereist war. Die Gemeindechefin ist sich auch des Werts der Frühjahrsfeier für das Renommee ihres Ortes bewusst:
„Ich bin stolz, dass der Gesangverein Hellershof sie in unserer Halle veranstaltet.“

Hans Georg Frank

INFO

Die Mitwirkenden

Für die Frühjahrsfeier verstärkt sich der sonst von Wolfgang Hänle geleitete Liederkranz mit
Sängerinnen und Musikanten. Auf der Bühne standen: Heinz Brückner, Aylin und Daniela Deiss,
Martin Fordinal, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Axel Hannemann, Anni Hirzel, Chris Macchini, Werner Rothweiler, Sonja Schmidt, Heribert und Karin Schwenger, Martin Thorwart, Bernd Weller, Monika Weller.

In Küche, Service und Technik waren über 50 Helfer eingespannt.